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Assia Djebar: Das verlorene Wort

Die weibliche Stimme der algerischen Literatur hat einen Namen: Assia Djebar. Seit vielen Jahren ist sie mit ihren Romanen auch auf dem deutschen Buchmarkt präsent. Für ihr literarisches Werk erhielt sie 1996 den Literaturpreis der Stadt Neustadt und 2000 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In ihrem jüngsten Roman „Das verlorene Wort“ reflektiert sie die Situation der Journalisten und Schriftsteller unter den Bedingungen des Bürgerkrieges nach dem Abbruch der Wahlen 1992. Unter dem Druck der Zensur und der Bedrohung durch islamistische Gruppen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als entweder ins Exil zu gehen oder das Schreiben zu beenden – was in beiden Fällen den Verlust des Wortes bedeutet.

Der Journalist Berkane, Protagonist des Romans, kehrt nach Jahren des französischen Exils nach Algerien zurück. In Rückblenden beschäftigt er sich mit dem Kolonialkrieg, den er als junger Mann erlebt hat. Für ihn ist klar, dass die Errungenschaften des antikolonialen Kampfes nun gegen die islamistischen Gruppen verteidigt werden müssen. Doch ebenso offensichtlich ist, dass auch die Sicherheitskräfte die Menschenrechte der Bevölkerung nicht achten und missliebige Personen „verschwinden“ lassen. Auf dem Land und der Bevölkerung liegt die Last bleierner Jahre, in denen die Gewalt der einen Seite die Gegengewalt der anderen Seite bedingt. Berkane findet nach einer langen Zeit der Sprachlosigkeit seine Worte wieder. Doch gleichzeitig gerät er ins Visier bewaffneter Gruppen, die ihm nach dem Leben trachten.

Wie ein Leitmotiv zieht sich das Thema des Kolonialkampfes durch Assia Djebars Werk. In ihrem Roman „Das verlorene Wort“ verknüpft sie es geschickt mit Betrachtungen zur Situation der algerischen Gegenwart und schlägt einen Bogen zwischen diesen beiden Kriegen. Allerdings hätte ein Buch, dessen Thema die Sprache und der Sprachverlust ist, ein sorgfältigeres Lektorat verdient, um eine ganze Reihe von sprachlichen Ungenauigkeiten in der Übersetzung zu verhindern.

Assia Djebar: Das verlorene Wort. Aus dem Französischen von Beate Thill. Unionsverlag Zürich 2004.