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Thomas Hasel: Machtkonflikt in Algerien

Nun liegt sie endlich vor: eine detailreiche und gut recherchierte Zusammenfassung der Geschehnisse in Algerien von der Unabhängigkeit 1962 über das demokratische Intermezzo Ende der 1980er Jahre bis zur Verhängung des Ausnahmezustandes 1992 und der darauffolgenden Jahre des Bürgerkrieges. Thomas Hasel gelingt in seiner Studie "Machtkonflikt in Algerien" sowohl die auf das Notwendigste reduzierte Erklärung des politischen Systems als auch die Darstellung von Klientelismus und Patronage, mit der sich die politische Elite des jungen Staates selbst versorgte. Die gleichzeitige Unterdrückung der Zivilgesellschaft sowie die soziale Ungleichheit bildeten den Nährboden für die Entstehung islamischer und islamistischer Bewegungen. Die nachfolgende versuchte Demokratisierung von oben endete mit der Aufhebung der Wahlen und der Verhängung des Ausnahmezustandes, um die islamistische Opposition an der Machtübernahme zu hindern. Der nachfolgende Bürgerkrieg forderte mindestens 100.000 Menschenleben. Hasel analysiert die politischen Bemühungen, die Agonie der Gesellschaft zu überwinden. Dabei beleuchtet er sowohl die staatlichen Akteure als auch die oppositionellen Gruppen und deren Motive. Nach einer Analyse der internationalen Reaktionen auf den Bürgerkrieg schließt er mit einem Ausblick ab: Nur wenn der rebellierenden Jugend und den verarmten Schichten ein erträgliches Leben ermöglicht wird, wenn die Unterdrückung der Berber beendet wird und wenn die Menschenrechte geachtet werden, kann Algerien in eine friedlichere Zukunft blicken. Für Algerieninteressierte ist das Buch ein absolutes Muss.

Thomas Hasel: Machtkonflikt in Algerien. Nahost-Studien Bd.3 , Verlag Hans Schiler, Berlin 2002.