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Im Massengrab von Sidi M'hamed
Benaouda: Mohamed Smain hat die Hose,
die er hochhält, als jene identifi-
ziert, die Abed Saidane (kleines Bild)
am Tag seines "Verschwindens" getragen
hat. Seitdem wurden menschliche Über-
reste aus dem Grab entfernt.

Zerstörung von Beweisen im Massengrab in Relizane (2004)

Amnesty International ist besorgt über schockierende Berichte von Versuchen in Algerien, Beweise von Menschenrechtsverletzungen zu verbergen oder zu zerstören. Gemäß diesen Berichten wurden im Geheimen menschliche Überreste im Januar dieses Jahres bei einem Massengrab in der westlichen Provinz von Relizane exhumiert. Das Grab war im November 2003 von einem örtlichen Menschenrechtsaktivisten entdeckt worden, der ebenso Beweise dafür sammelte, dass in diesem Grab die Überreste von Zivilisten enthalten waren, die von örtlichen, vom Staat bewaffneten Milizen entführt und getötet worden waren.

Diese Milizen werden dafür verantwortlich gemacht, dass Mitte der 90er Jahre über 200 Zivilisten in der Provinz von Relizane "verschwanden". Algerische Menschenrechtsaktivisten behaupten, dass einige andere Massengräber dieser Region im Jahre 2000 geöffnet und verlegt wurden, um die Verbrechen der Milizen zu vertuschen. Sie äußerten auch ihre Besorgnis darüber, dass die Behörden deshalb nicht diese Vertuschungen verhinderten, weil die Verantwortlichen für diese Verbrechen die Milizen waren, die vom Staat bewaffnet worden waren.

Die Leichenteile, die in den Massengräbern gefunden worden waren, sind ein wesentlicher Beweis dafür, dass Untersuchungen bei den tausenden von "Verschwundenen" und anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durchgeführt werden müssen, die in Algerien in der letzten Dekade verübt wurden. Es steht zu befürchten, dass einige oder sogar alle Beweise, die in dem Massengrab bei Relizane enthalten waren, nun zerstört sind.

Hintergrund: Die Geschichte von Abed Saidane

Abed Saidane, 48 Jahre alt, Vater von sieben Kindern, wurde am 9 September 1996 vor seinem Haus in Anwesenheit einiger Familienmitglieder abgeholt. Seine Familie erkannte den lokalen Chef der staatlich bewaffneten Miliz und einige seiner Milizionäre. Trotz unzähliger Bemühungen seitens der Familie, Informationen über das Schicksal und den Verbleib von Abed Saidane zu erhalten, erhielten sie bis heute keine Nachricht.

Im November 2003 wurde Mohamed Smain, ein lokaler Menschenrechtsverteidiger von Bewohnern der Gegend um Sidi M'hamed Benaouda auf ein mutmaßliches Massengrab aufmerksam gemacht, wo sie menschliche Überreste und Kleidung gefunden hatten. Einige Kleidungsstücke wurden als jene identifiziert, die Abed Saidane an dem Tag getragen hatte, als er von der Miliz abgeholt worden war, insbesondere eine grüne wasserfeste Hose, an der ein Knopf fehlte. Ein Feuerzeug, das er am Vortag seiner Festnahme besessen hatte, wurde in einer Hosentasche gefunden, aber sein Geld und sein Führerschein waren verschwunden.

Nach der Entdeckung der Überreste ihres Verwandten erhob die Familie von Abed Saidane Klage beim örtlichen Gericht von Oued Rhiou in der Provinz von Relizane. Obwohl der Staatsanwalt eine Untersuchung anordnete, hielt die Gendarmerie einen Termin mit Mohamed Smain am 11. Januar 2004 zum Besuch des Massengrabes nicht ein. Am nächsten Tag kam er in Begleitung der Gendarmerie zurück und mußte feststellen, dass alle Knochen und Kleidungsstücke von dem Grab entfernt worden waren. Das Gelände wurde danach abgeriegelt und von örtlichen Wachen geschützt. Es ist nicht bekannt, dass eine Untersuchung des Geländes oder der Umstände, unter denen die menschlichen Überreste verschwanden, eingeleitet worden wäre.

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