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Yasmina Khadra: Wovon die Wölfe träumen

In Algerien gibt es kein Schicksal mehr. Wir sind alle miteinander am Ende." So beschreibt Yasmina Khadra die Agonie, in die das Land durch den jahrelangen Bürgerkrieg verfallen ist. Vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche der 90er-Jahre erzählt Khadra in seinem neuen Roman "Wovon die Wölfe träumen" die Geschichte des jungen Nafa Walid, der enttäuscht vom korrupten Staat und einer dekadenten Gesellschaft sein Heil in der Religion sucht und sich schließlich den Islamisten anschließt.

Schrittweise wird er in den Sog der Gewalt hineingezogen. Zunächst nur als Fahrer für Dokumente und Waffen eingesetzt, nimmt Walid bald an bewaffneten Überfällen teil und beginnt schließlich selbst zu morden. Er beteiligt sich an Attentaten auf missliebige Künstler, Polizisten, Kommunisten, Juristen und Geschäftsleute, kurz: auf alle, die nicht den islamistischen Vorstellungen entsprechen.

Mit zunehmender Gewalt stumpft Nafa Walid immer mehr ab. Nach einem Blutbad, das er mit seiner Gruppe in einem entlegenen Dorf anrichtet, fragt er sich "wovon die Wölfe träumen, wenn ihre Zunge im frischen Blut ihrer Beute schwelgt". Er selbst ist inzwischen zu einem Wolf geworden, der auch vor einem Mord an Mitkämpfern und ehemaligen Freunden nicht zurückschreckt. Der Autor des Romans, ein ehemaliger Offizier der algerischen Armee, hatte sich zunächst aus Sicherheitsgründen und zur Umgehung der Zensur das weibliche Pseudonym Yasmina Khadra zugelegt. Heute lebt er im französischen Exil, publiziert jedoch weiter unter diesem Namen aus Respekt für die Frauen seiner Heimat, wie er sagt.

In seinem neuen Buch hat er die islamistische Gewalt eindringlich und beklemmend dargestellt, was jedoch fehlt ist ein Hinweis auf die Menschenrechtsverletzungen der algerischen Regierung bei ihrem Versuch, die islamistischen Gruppen zu bekämpfen.

Yasmina Khadra: Wovon die Wölfe träumen. Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe, Aufbau-Verlag, Berlin 2002.